Dallos (1983)

ダロス

Allemand Rezensionen – Dallos

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Eines wird immer wieder erwähnt und das darf auch hier nicht fehlen: »Dallos« war die erste OVA, die regulär veröffentlicht wurde. Zuvor gab's zwar schon das Daicon-III-Opening zu kaufen, das aber mehr unter der Hand.

Wie unschwer zu sehen ist, erhebt sich die Animationsqualität mühelos über das, was man sonst so aus der Zeit kennt. Gut, Prä-Ghibli "Nausicaa" mal ausgenommen. Auf welchem Level sich das bewegt, kann man schon recht früh erkennen, beispielsweise bei den Hunden, deren Sprung- und Laufbewegungen sehr flüssig und absolut natürlich geraten sind.

Andere Aspekte wie Worldbuilding und Storytelling sind dagegen nicht wirklich erste Sahne. Mitgerissen im emotionalen Sinn wird man eher selten, dazu ist das Drumherum viel zu krude und man merkt der Geschichte deutlich an, daß sie gnadenlos auf 4 Folgen zurechtgestutzt worden sein muss.

So ein SciFi-Setting, das dazuhin noch sozialkritische und machtpolitische Themen abdeckt, plus ein paar Familien- und Beziehungsprobleme, lädt förmlich dazu ein, das Haar in der Suppe zu suchen, aber all zu große Mühe muss man darauf nicht verwenden, denn besagte Haare liegen deutlich und unübersehbar obenauf. Ein paar Parameter hat man den Erwartungen des Publikums natürlich angepasst, und so scheint es zwar erstaunlich, daß trotz aller Hochtechnologie es immer noch sehr hemdsärmlig zugeht auf der Welt – aber man braucht ja auch bekannte Muster und Tropen, mit denen man gehörig auf den Putz hauen kann, damit das Shounen-Publikum das Werk auch kauft. Daher hat man dem Mond kurz mal die gleiche Gravitation verpasst, wie sie auch auf der Erde herrscht – sonst würden manche Aktionen auch viel zu grotesk ausfallen. Außerdem hat man es geschafft, auch im luftleeren Raum ordentlich Radau zu veranstalten. Sehr zur Freude und Genugtuung der Freunde gediegener Weltraumschlachten. Weniger wäre von Mamoru Oshii auch nicht zu erwarten gewesen.

Und es wäre nicht Oshii, wenn nicht auch ordentlich in ortsfremde Mystik gegriffen würde (das hat er mit Kollege Hideaki Anno von "Evangelion" gemein), hier greifbar an den Namen und am offenkundigsten gegen Ende der 1. Folge, deren Titel "Preiset Bartholomäus" auf den Apostel Bartholomäus und in diesem Zusammenhang auf Christus verweist: »Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.« (Matth. 10,34) – Ziemlich bibelfest also, diese Lunarier.

Was hier so abläuft zwischen den Vertretern der Erde und des Mondes bleibt eher unklar, auch wenn dann & wann Informationschnipsel gestreut werden. Man kann sich einiges zusammenreimen, aber beileibe nicht alles. So bleiben am Ende einige Fragen offen, was, für meinen Geschmack, den Reiz an der OVA jedoch nicht schmälert.

Gewisse narrative Dreh- und Angelpunkte werden auch so unspektakulär behandelt, daß deren Relevanz nicht sofort klar wird und daher das emotionale Miterleben, den berühmten "Impact", beim Zuschauer etwas aushebelt bzw. auf die rein intellektuelle Schiene verlegt. Kann natürlich auch sein, daß das generell ein Wesenszug von Oshiis Regiearbeit ist; diese eher nüchterne Vorgehensweise ist auch in späteren Animes von ihm zu beobachten, wie z.B. bei »Jin Rou« oder »Sky Crawlers«.

Dieses Roboterhafte und Holzschnittartige greift gern auf die Persönlichkeit der handelnden Charaktere selber über, mit denen der Zuschauer es auch nicht gerade leicht hat. Leider gilt das auch für die erzählerische Entwicklung, die logische Verbindung der Szenen und im weiteren auch für das Pacing und das Skript. Gerade letzteres streift ein wenig zu oft die Grenze zur Dämlichkeit und nährt sich zu sehr von generischen Versatzstücken. Was die dramaturgische Realisierung der Kämpfe betrifft, so leidet deren Ausgestaltung vor allem an der unterlegten Musik, die sich zwar episch geben will, in ihren Dauer-Offbeats aber das beeindruckende und teilweise schockierende Geschehen eher bagatellisiert als steigert. Aus meiner Sicht ein Griff ins Klo.

Logisch wirklich wasserfest ausgearbeitet ist die Geschichte übrigens nicht. Man sollte erst gar nicht anfangen, Fragen zu stellen, wie das sein kann, was man gerade sieht, und wie das überhaupt so kommen konnte (woher die Waffen, wieso die Unterdrückung). Was Oshii mit der Schilderung sozialer Mißstände ausdrücken will, ist an sich völlig klar. Aber so, wie da hier geschieht, geht es eher in die Hose, weil es solchen logischen Fragen nicht standhalten kann. Diesem Zweck, dieser Botschaft werden dann die Charaktere unterworfen, folgen diesen von außen gesetzten Gegebenheiten, anstatt daß sie selbst die Story tragen und voranbringen.

Aber jetzt mal Schluss mit der Krittelei, denn gut unterhalten wird man hier allemal. Bloß: Was oder wer ist denn nun der/die/das Dallos? Vielleicht der Mann im Mond? Jedenfalls kein Mecha-Hentai, wie dieser Screenshot nahelegt; eher eine selbstlernende, komplexe Maschinerie, vielleicht auf dem Weg, ein Bewusstsein zu erlangen. All die Folgen hindurch hab' ich eigentlich nur noch auf einen großen, schwarzen Monolithen gewartet …

Wer nach der OVA angesichts der offenen Fragen unruhig auf dem Hintern rumrutscht und womöglich vor Unklarheit nicht schlafen kann, dem empfehle ich, sich bei Wikipedia schlau zu machen und dann die 4 Folgen nochmals zu schaun.
La dernière édition du sujet a eu lieu le 20.11.2022 20:19.
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